POSITIONEN:TANZ#3 BEDINGUNGEN – QUALITÄTEN KÜNSTLERISCHER ARBEITSWEISEN UND ARBEITSBEDINGUNGEN

16./17. OKTOBER 2020

Die Corona-Pandemie hat einmal mehr die instabilen Strukturen der Tanzbranche offengelegt. Weder die soziale Absicherung von Tanzschaffenden noch die Produktionsbedingungen im Tanz haben sich als krisentauglich herausgestellt. POSITIONEN: TANZ #3 hat sich deshalb in diesem Jahr ganz konkret mit den Arbeitsbedingungen im Tanz beschäftigt und sofortigen, mittel- und langfristigen Handlungsbedarf ausgelotet und konkrete Forderungen entwickelt.
Hier finden Sie die Dokumentation des Symposiums als PDF.

DIGITALE FORTFÜHRUNG

2. Runde: Vertiefung in virtuellen Gesprächsrunden

Die Ergebnisse und offenen Fragen des Symposiums sollen und müssen jetzt weiterbearbeitet und fortgeführt werden. Für den Dachverband haben sich klare Arbeitsanweisungen und nächste Schritte ergeben, die wir weiterhin mit unseren Mitgliedern und allen Tanzschaffenden besprechen und ausformulieren wollen. POSITIONEN: TANZ #3 wird deshalb um eine weitere digitale Ausgabe ergänzt: In regelmäßigen Abständen laden wir Sie zu weiterem Austausch zu spezifischen Themen ein.

 

THEMEN UND TERMINE

DIENSTAG, 2. FEBRUAR 2021, 14:00 – 16:00 UHR
#1 Zu viel Druck?

Moderation: Elisabeth Nehring

Die Tanzszene ist ein Hochdruckgebiet. Diverse Abhängigkeiten (von Häusern, Kurator*innen, Förderinstitutionen, Publikum), große Verantwortlichkeiten (gegenüber dem Team, den Geldgeber*innen), eine immer noch prekäre Lebensweise (oft keine soziale Absicherung, keine Rente bei kurzer beruflicher Karriere) und eine immer noch nicht ausreichende Internationalisierung (Vertragssprache deutsch, Antragssprache deutsch) erzeugen Druck auf die Tanzschaffenden, wo eigentlich Kreativität und Freiraum gefragt wären. Mit unkuratierten Orten, fairer Bezahlung, Augenhöhe auf allen Ebenen und einer verbesserten Ausbildung hin zu mehr administrativer Kompetenz kann dieser Druck vermindert werden. In der kommenden Gesprächsrunde fragen wir uns deshalb, wie offene Kommunikation und Transparenz auf allen Ebenen etabliert werden kann, so dass auch Machtmissbrauch kaum mehr möglich ist. Wie sähe eine Tanzwelt ohne diesen Druck aus? Was würde sich ändern?

 

DIENSTAG, 16. FEBRUAR 2021, 14:00 – 16:00 UHR
#2 Tanzpolitik und Tanzlobby

Moderation: Eva Böhmer und Sabine Gehm

Es herrschte Einigkeit im Oktober 2020 beim Symposium POSITIONEN: TANZ #3: der Tanz hat eine gemeinschaftsbildende Funktion. Und trotzdem braucht er dringend eine breitere Wahrnehmung, muss aus seiner Nische heraustreten. So fehlt es den Tanz-in-Schule-Programmen an breiter Öffentlichkeit und hierdurch auch an stärkerer Nachfrage. Auch braucht der Tanz mehr Zugänge für ein diverses Publikum. Hier muss sich eine Gesprächskultur über den Tanz entwickeln, die auch Nicht-Tänzer*innen, wie bspw. Politiker*innen, den Tanz nahebringen kann. Ziele kommunizieren statt Forderungen formulieren wurde hierbei als eine rhetorische Strategie genannt. Mehr Verständnis geht auch einher mit mehr Wahrnehmung der Gegenseite: die Tanzszene sollte stärker ihre Fürsprecher*innen in Politik und Verwaltung sehen und auszeichnen. Auch im Stadttheater braucht der Tanz verstärkte Lobbyarbeit, um seine Position zu verbessern. Eine gute Vernetzung mit der freien Tanzszene kann hierbei ein wichtiger Schritt sein. In unserer nächsten Runde wollen wir weiter erörtern, wie die Sichtbarkeit des Tanzes vergrößert werden kann. Wie können Zuständigkeiten definiert werden und braucht es hierfür möglicherweise neue Jobpositionen, die über die klassische Netzwerkarbeit hinausgehen? Oder braucht die Arbeit der Interessenverbände ebenfalls eine breitere Wahrnehmung?

 

DIENSTAG, 2. MÄRZ 2021, 14:00 – 16:00 UHR
#3 Soziale Absicherung, Gewerkschaft, Genossenschaft

Moderation: Eva Böhmer und Sabine Gehm

Die Ziele zur sozialen Absicherung lagen auf der Hand: Keine Honoraruntergrenzen, sondern Honorarempfehlungen, Professionalisierung der Lobbyarbeit für den Tanz, Tarifverträge für alle, Grundrente (Forderung der Allianz der Freien Künste), Berufsunfallversicherung, Mittel- und langfristige Projektförderung, nicht nur Schwerpunkt auf Produktionen. Ein Blick in die Nachbarländer Frankreich, Belgien und die Schweiz hat gezeigt: der Anspruch auf Arbeitslosengeld durch sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen schafft eine verlässlichere Absicherung in Notzeiten. In unserer nächsten Gesprächsrunde wollen wir nachfragen: Wie kann in Deutschland der Unterschied zwischen Solo-Selbständigen und Angestellten aufgehoben werden? Wie kann eine Sozialversicherung für alle geschaffen werden? Wieso scheint die Arbeitslosenversicherung in anderen Ländern zu funktionieren, während in Deutschland die Kosten hierfür schnell ins Unerschwingliche steigen? Welche Interessenvertretungen können bei diesen Forderungen die beste Fürsprache übernehmen? Können Gewerkschaften auch die Interessen von Solo-Selbständigen vertreten?

 


DIENSTAG, 16. MÄRZ 2021, 14:00 – 16:00 UHR
#4 Kooperative und qualitätsfördernde Arbeitsformen: TANZPAKT – Austausch

Moderation: Gitta Barthel und Margrit Bischof

In unserer ersten Gesprächsrunde im Oktober 2020 lag der Schwerpunkt kooperativer und qualitätsfördernder Arbeitsformen auf dem disabled body. Hier wurden verschiedene Ansätze diskutiert, um Menschen mit sensorischen, motorischen, kognitiven Behinderungen stärker zu fördern: u.a. wurde die Mixed-abled education sowie das Co-Teaching / Team-Teaching genannt. Hierfür braucht es besondere Schutzräume, in denen ohne Erwartungsdruck und mit viel Zeit gearbeitet werden kann. Für unsere nächste Runde wollen wir nun weitere qualitätsfördernde und kooperative Arbeitsformen entdecken. Die Frage nach der Relevanz soll uns hier bei der Auswahl leiten. In diesem Sinne besonders auch die Frage: Warum ist der Tanz systemrelevant und wie wird er es?

 

 
DIENSTAG, 13. APRIL 2021, 14:00 – 16:00 UHR
#5 Den Tanzkörper gibt es (noch) nicht – Tanz dekolonialisieren?

Moderation: Ella Steinmann und Eva Böhmer

Das Ergebnis der Gesprächsrunde im vergangenen Oktober im Rahmen des Symposiums war klar: Es braucht viel mehr Sensibilisierung für Diversität: innerhalb der Institutionen und Ausbildungsstätten, in den Jurys und Fördergremien, unter den Tanzschaffenden und beim Publikum. Eine Strategie zur Erreichung von mehr Diversität sind Aufklärungsarbeit und eine Quote. Deshalb wollen wir uns in unserer nächsten Runde fragen, wie Aufklärungsarbeit aussehen kann, wer sie macht und wo? Und wie lässt sich eine Quote durchsetzen? Zu welchen Konditionen? Bspw. könnte die Erfüllung der Quote Einstellungsvoraussetzung für zukünftige Intendant*innen sein. Und wer überprüft die korrekte Umsetzung? Sollten an Stadttheatern flächendeckend Gleichstellungs- und Diversitätsbeauftragte eingestellt werden? Für die freie Szene könnten dementsprechend Gleichstellungs- und Diversitätsbüros pro Bundesland oder ja nach Bevölkerungsdichte eingerichtet werden. Würden diese Einrichtungen etwas ändern? Wie könnte die genaue Umsetzung und Arbeit aussehen? 

 


VIDEOS DES LIVE-STREAMS

Die Videos des Live-Streams zum diesjährigen Symposium stehen hier weiterhin zur Verfügung.

WIR ALLE(INE) – GEMEINSCHAFT 2.0

Moderation: Elisabeth Nehring
Impulsgeber*innen: Susanne Keuchel, Karin Kirchhoff, Wolf Lotter, Gesa Ziemer

WAS GESCHEHEN SOLL – AKTUELLE FORDERUNGEN DES TANZES, EIN MANIFEST?

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen werden vorgestellt.

 

 

Abhängigkeiten im Tanz – Bewegliches Denken über Professionen und Beziehungen

Guide: Dana Caspersen
 

Was geschehen wird – Ausblick und nächste Schritte

Moderation: Elisabeth Nehring
Mit: Martin Eifler, Kerstin Evert, Claudia Feest, Marc Grandmontagne, Marie Henrion, Bea Kießlinger,
Bettina Milz, Madeline Ritter, Ulrike Seybold

Hinweis zum Format "Abhängigkeiten im Tanz – Bewegliches Denken über Professionen und Beziehungen" mit Dana Caspersen (2. Video)
Wir würden uns freuen, wenn Sie Ihre Notizen im Anschluss an diese Übung mit uns teilen würden:
c.manderscheid@dachverband-tanz.de Vielen Dank!