
Martin Schläpfer zählt zu den herausragenden Choreografen unserer Zeit und hat als Ballettdirektor die europäische Tanzlandschaft in den letzten 30 Jahren maßgeblich geprägt.
Geboren in Altstätten (Schweiz), studierte er bei Marianne Fuchs in St. Gallen und an der Royal Ballet School in London. Als Mitglied von Heinz Spoerlis Basler Ballett avancierte er ab 1977 zu einem charismatischen Solisten. Ein Engagement ins Royal Winnipeg Ballet führte ihn für eine Spielzeit nach Kanada.
Als Direktor und Chefchoreograf formte Martin Schläpfer mit dem Berner Ballett (1994 bis 1999), dem ballettmainz (1999 bis 2009), dem Ballett am Rhein (2009 bis 2020) sowie dem Wiener Staatsballett (2020 bis 2025) vier unverwechselbare Compagnien. Nach der viermaligen Auszeichnung des Balletts am Rhein als „Kompanie des Jahres“, kürte das Magazin „tanz“ das Wiener Staatsballett zum „Glanzlicht des Jahres 2022“.
Martin Schläpfers Schaffen umfasst über 80 Werke, die für seine Compagnien, das Bayerische Staatsballett, Het Nationale Ballet Amsterdam sowie Stuttgarter Ballett entstanden und u.a. in Einstudierungen des Ballett Zürich zu erleben waren. Für das Wiener Staatsballett schuf er ab 2020 unter anderem die großformatigen Werke „4“, „Die Jahreszeiten“, „Dornröschen“ und „Pathétique“ sowie Kreationen für das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, für den Opernball der Wiener Staatsoper und für die Jugendkompanie der Ballettakademie der Wiener Staatsoper.
Seine enge Verbindung mit Hans van Manen führte 2014 zur Uraufführung „Alltag“, in der Martin Schläpfer – wie bereits zwei Jahre zuvor in „The Old Man and Me“ des Niederländers – nochmals als Tänzer auf die Bühne zurückkehrte.
Mit der Gründung der Basler Schule Dance Place im Jahr 1990 schuf Martin Schläpfer sich eine erste Basis für seine intensive pädagogische Arbeit, die auch seine vier Ensembles auf besondere Weise profilierte. 2017 war er Gast an Canada’s National Ballet School in Toronto. Als Künstlerischer Leiter der Ballettakademie der Wiener Staatsoper reformierte er das Ausbildungskonzept der größten österreichischen Bühnentanz-Akademie grundlegend und passte es heutigen Standards an.
Nachdem er 1977 den Prix de Lausanne als „Bester Schweizer Tänzer“ gewonnen hatte, folgten für den Choreografen und Direktor Martin Schläpfer zahlreiche Auszeichnungen, darunter der Kunstpreis des Landes Rheinland-Pfalz (2002), der Tanzpreis der Spoerli Foundation (2003), der Prix Benois de la Danse (2006), die Gutenbergmedaille der Stadt Mainz (2009) sowie 2009 und 2012 der deutsche Theaterpreis Der Faust. 2013 erhielt Martin Schläpfer den Schweizer Tanzpreis und 2014 den Taglioni – European Ballet Award in der Kategorie „Best Director“ durch die Malakhov Foundation. Sein abendfüllendes Ballett „DEEP FIELD“ auf eine Auftragskomposition Adriana Hölszkys war für den Prix Benois de la Danse 2015 nominiert, im gleichen Jahr erhielt er den Musikpreis der Stadt Duisburg. Das Magazin „tanz“ kürte ihn 2010 zum „Choreographen des Jahres“, 2018 und 2019 folgte dieselbe Auszeichnung durch „Die Deutsche Bühne“, 2022 erneut eine Nominierung durch „tanz“. Seit 2017 ist Martin Schläpfer Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und Künste. 2018 wurde er mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet, 2019 folgte die Ehrung mit dem Großen St. Galler Kulturpreis. 2023 war er Mitglied der Jury des Prix de Lausanne.
Mehrere Choreografien Martin Schläpfers wurden fürs Fernsehen aufgezeichnet. Auf DVD liegen außerdem „Schwanensee“ mit dem Ballett am Rhein (EuroArts) sowie „4“ zu Gustav Mahlers 4. Symphonie mit dem Wiener Staatsballett (Unitel) vor. In der Regie von Annette von Wangenheim entstand 2016 das Filmporträt „Feuer bewahren – nicht Asche anbeten“. Im Henschel-Verlag erschienen 2020 unter dem Titel „Mein Tanz, mein Leben“ seine Gespräche mit der Journalistin Bettina Trouwborst.